Moderne Personalentwicklung: Innovationsassistenten haben meist bereits eine universitäre, oft technische Ausbildung. Idealerweise wurden auch Innovationsprozesse und -methoden sowie Werkzeuge z.B. zur Kundenergründung, Suchfeldbestimmung oder Geschäftsmodellinnovation belegt. Das wird aber noch nicht ausreichend angeboten. Deswegen kann die anfängliche Begleitung eines Berufsanfängers (m/w) sinnvoll sein: Um nicht nur den Eintritt in das Unternehmen zu erleichtern, die Persönlichkeit und Sicherheit zu stärken, sondern auch moderne Innovationswerkzeuge mit auf den Weg zu geben. Das wird teilweise sogar staatlich gefördert. Der Executive Interim Manager Siegfried Lettmann begleitet Innovationsmanager auf Ihrem beruflichen Weg. Ein Interview mit DDI. Laura Watzlik, BSc., zuständig für Innovation und Produktentwicklung bei SIHGA

Frau Watzlik, bei SIHGA wird Innovation offenbar großgeschrieben, man nennt über 70 Patente sein Eigen. Wie würden Sie das beschreiben, wie sieht der Zugang zu Innovationsthemen bei SIHGA aus? In KMU ist das ja nicht immer so einfach.

Prinzipiell ist Innovation nach der Sicherheit eines der wichtigsten Themen für SIHGA. SIHGA ist ein eher kleines Unternehmen, das seinen Platz in einem hart umkämpften Markt finden wollte, in den man noch dazu relativ spät eingetreten ist. Da war eine gute Positionierung unabdingbar. Das Gesamtkonzept wurde dann vom Markt auch tatsächlich sehr gut angenommen. Das Zimmererhandwerk ist recht komplex, da ist es sehr wichtig, einfache und gut funktionierende Lösungen anbieten zu können. Deshalb spielen Innovations- und Entwicklungsvorhaben eine große Rolle.

Was ist Ihre Aufgabe im Kontext?

Ursprünglich wurde ich vor allem für die Produktentwicklung hinzugezogen. Ich kam im Rahmen eines Förderprogramms der WKÖ für Innovationsassistenten zum Unternehmen. Die Anstöße durch Herrn Lettmann brachten mich dann mehr in Richtung Innovationsmanagement. Hier mussten etwa auch die Kundenbedürfnisse genau analysiert werden. Früher wurde über diesen Faktor eher intern entschieden, wirkliche Kundenbedürfnisse wurden dabei mehr erwartet als tatsächlich systematisch eruiert. Wir starteten dann ausgehend vom Förderprojekt für Innovationsassistenten ein zweites Projekt im Rahmen von ProTRANS, da ist das Innovationsmanagement ein wichtiger Teilbereich. Hier war die Ermittlung konkreter Kundenbedürfnisse ein Fixpunkt. Ich selbst bin in den letzten zwei Jahren vor allem für Produktentwicklung und Innovationsmanagement zuständig. In dieses – im Übrigen sehr gut geförderte ProTRANS-Projekt – habe ich dann möglichst viel reingenommen. Neben Business Model Innovation und Blue Ocean wurde eine Anzahl weiterer, neuer Methoden ausprobiert und so manche von ihnen letztlich auch eingesetzt. Die Produktentwicklung beispielsweise wurde auf Basis der ermittelten Kundenbedürfnisse neu ausgerichtet. Auch das konnte in die Förderung miteinbezogen werden. Daneben wurde in diesem Zusammenhang auch der Zugang zu Marketingthemen geschärft, wo die ermittelten Faktoren ebenfalls entsprechend adressiert werden.

Auch Herrn Lettmanns Hinzuziehung galt unter anderem ja der Einbringung moderner Methoden und Vorgehensweisen?

Genau. Das Thema ODI (outcome-driven innovation) und damit den analytischen Zugang zu den Kundenbedürfnissen, der im Anschluss so wichtig wurde, hat beispielsweise er eingebracht, wir haben diese Methode bis dorthin nicht gekannt. Bei mir eingebrannt hat sich hier Henry Fords Spruch, dass seine Kunden wohl schnellere Pferde verlangt hätten. Das war damals ebenso richtig wie heute. Man braucht einen systematischen Zugang zu den Kundenbedürfnissen. Das ist keine einfache Aufgabe, wir sind in dieser Sache aber standfest geblieben und das hat sich ausgezahlt.

SIHGA hat von Herrn Lettmanns Einsatz also gut profitieren können?

Ja, SIHGA hat auf einigen Gebieten von Herrn Lettmanns Einsatz profitiert. Zum Beispiel auch in der prinzipiellen Systematik der Business Model Innovation. Wir haben uns hier auch andere Geschäftsmodelle angesehen, diese analysiert, die wesentlichsten Erkenntnisse daraus abgeleitet und diese auf unsere eigene Branche übertragen. Auch das ist nicht ganz einfach, aber wir haben so einen umfassenden und zukunftstauglichen Überblick bekommen. Die Produktentwicklung und der Zugang zur Innovation überhaupt ist als Gesamtsystem erkannt worden. Auch Blue Ocean, als passende Strategieinnovations-Methode von unserer Geschäftsführerin Frau Simmer gewünscht, hängt damit stark zusammen. Das alles ergibt in Wirklichkeit ein großes Ganzes, alles hängt zusammen. Das letztliche Ziel ist eine Erleichterung in der Anwendung für die Kunden.

Wie hat SIHGA diese Themen erschlossen?

Den ganzen Themenkomplex um Business Model Innovation hat eigentlich Herr Lettmann eingebracht, beginnend damit, dass die Einführung dieser Methode überhaupt durch ihn initiiert wurde. Er hat in dieser Sache regelmäßige interdisziplinäre Workshops abgehalten und moderiert, die auch jetzt noch laufen. Neben Herrn Lettmann und dem Innovationsmanagement selbst wurden hier auch die Geschäftsführung und die Verkaufsleitung hinzugezogen. Diesen Workshops entspringen konkrete Aufgabenstellungen, um die wir uns kümmern. Auf diese Weise entwickeln wir jetzt ein Geschäftsmodell, das uns dabei unterstützen wird, unsere Vision weiterzubringen. Die Ergebnisse von ODI haben die Produktentwicklung sehr befeuert, auch das Marketing arbeitet mit den neuen Erkenntnissen nun wesentlich zielführender. Das hilft auch mir als Innovationsassistentin.

Gerade bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen spielen langfristige und zugkräftige Strategien natürlich eine entscheidende Rolle. Wer entwickelt diese, wer entscheidet über sie?

Die Entscheidungen liegen bei der Geschäftsführung, die Entwicklung wird nun im Gegensatz zu früher aber gemeinsam gestemmt.

In den knapp drei Jahren, die Sie inzwischen bei SIHGA sind, hat sich also bereits einiges getan?

Vor allem in Sachen Innovation ist, auch durch Herrn Lettmanns Unterstützung, sehr viel passiert. Im Zuge des Innovationsassistenten-Projekts wurde ein neues Produkt entwickelt. Die Förderung selbst hatte daran einen bedeutenden Anteil. Ich selbst wurde ja eigentlich im Rahmen dieses Förderprojektes eingestellt. Auch die Weiterbildungsmodule im Sinne der Förderung waren dabei sehr produktiv. Das ProTRANS-Projekt habe ich dann schon selbst geplant und eingereicht, auch das hat hervorragend gegriffen.

Sie sind Diplom-Bauingenieurin und haben an der TU in Graz studiert, die einen sehr guten Ruf genießt. Aus fachlicher Sicht waren Sie also wohl top vorbereitet, als Sie zu SIHGA gekommen sind. Was konnte Herr Lettmann, der Sie als Coach begleitet hat, noch beitragen?

Top-vorbereitet würde ich nicht unbedingt sagen. Mein Studium widmete sich dem Bauwesen, die Produktentwicklung war dabei kein großes Thema. Im Sinne der Aufgaben, die ich letztlich für SIHGA übernommen habe, ist perfekt also nicht das richtige Wort. Vor allem die Soft-Skills kommen auf der Universität naturgemäß etwas zu kurz, das Innovationsassistenten-Projekt hat das aber gut abgefangen. Herr Lettmann hat mich als Coach und Mentor zwei Jahre lang begleitet und mir wichtige Anstöße gegeben. Am wesentlichsten war der andere Blickwinkel, den Herr Lettmann eingebracht hat. Er betrachtet die Situation als Ganzes, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, und aus der Perspektive der Kunden. Er hat stets das Drumherum im Blick und verliert sich nicht in technischen Detailüberlegungen.

Wie hat Ihre Zusammenarbeit ausgesehen?

Im Innovationsassistenten-Projekt waren zehn Coaching-Tage vorgesehen, die auch ausreichend waren. Herr Lettmann hat dafür gesorgt, dass eine Vielzahl von Themen zur Sprache kommen konnte. ODI etwa haben wir in diesen Coachings zum ersten Mal erörtert. Darüber hinaus stand er mir aber auch jederzeit als Ansprechpartner zu Verfügung. Viele dieser Gespräche haben weitere Projekte zur Folge gehabt.

Würden Sie auf Grund Ihrer persönlichen Erfahrungen anderen Unternehmen zum zeitweiligen Zukauf eines Interim Managers für Innovationsthemen raten?

Ja, ich würde auch anderen Unternehmen einen Einsatz Herrn Lettmanns oder eben eines Interim Managers für diese Themen empfehlen. Gerade Unternehmen, die es nicht ausreichend gelernt haben, out-of-the-box zu denken oder die in Innovationsthemen noch nicht allzu bewandert sind. Herr Lettmann hat zugkräftige Lösungen bei uns eingeführt, die nun auch ohne sein Zutun von selbst weiterlaufen. Speziell Innovationsassistenten profitieren davon, sie haben es ja oft nicht leicht, weil trotz der fachlichen Ausbildung einfach die Praxis fehlt. Die Erfahrung eines Interim Managers wie Herrn Lettmann macht das leichter.

Das Interview führte Johann Auer, Redakteur der SLIM Management GmbH.

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